Jo Hanns Küpper
Bild: Jo Hanns Küpper
Jo Hanns Küpper, am 24. November 1907 in Aachen geboren und aufgewachsen, hat mit seinem künstlerischen Oeuvre das kulturelle Geschehen in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts weit über die Grenzen seiner Heimatstadt mit geprägt. Nach Lehre und Studium an der dortigen Werkkunstschule entwirft er zunächst Interieurs und Filmplakate, die er auch selber umsetzt, und widmet sich der Akt- und Landschaftsmalerei. Die Erlebnisse des 2. Weltkriegs, in dem ein Großteil seiner frühen Aquarelle und Ölarbeiten verloren geht, bestimmen Küppers Schaffen als „Desastres de la Guerra“ fortan mit. Es folgen Zeichnungen und Bilder, in denen er Veduten seiner Heimatstadt, Eiffellandschaften und Eindrücke zahlreicher Fahrten ins südliche Ausland einfängt. Neben gegenständlichen Motiven beschäftigen ihn zunehmend existentielle Themen, für die er früh eine eigene abstrakte Ikonografie entwickelt. Informel und Popart heißen die Strömungen der 60er Jahre, in denen der Künstler in seinen Musikbildern und weiblichen Torsi zu einer selbständigen Formensprache findet. Neben den virtuos gemalten Landschaften sind es die geschauten Klänge des Barock und der Symbolisten sowie die schwerelosen, weiblichen Akte, die zu seinen herausragenden Arbeiten zählen. Nach Öl und Aquarell macht sich Jo Hanns Küpper zunehmend Acryl zueigen, für das er je nach Phase und Sujet einzigartige Maltechniken entwickelt. Als viskoses Collagematerial oder abgerollt von Musterwalzen, in Streifen geschnitten, aufgesprüht oder in den Lichtprismen seiner „Coupagen“ tausendfach gebrochen – für jede Werkphase sucht der Künstler einen adäquaten Farbausdruck. Nach den quirligen „Divertimenti“ der frühen 70er entdeckt Küpper die Bildhauerei, die ihn regelmäßig in die Marmorbrüche Carraras führt. Die kallimorphen und aphrodisischen Skulpturen sind mythologischen Themen anverwandelt und bevölkern zunehmend auch seine Bilder, in die apokalyptische Architekturen und kybernetische Landschaften eingezogen sind. Mit den Chiffren einer immer komplexer werdenden Gesellschaft schließt sich der Kreis und offenbart das zentrale Thema von Jo Hanns Küpper: das Fragile und Ephemere der menschlichen Existenz, die uns ständige Metamorphosen abverlangt, um das Wundersame achten und mit der Natur in Einklang leben zu können. Seine Arbeiten spiegeln die Kunstströmungen der 2. Hälfte des 20. Jh. wieder und reflektieren doch den eigenen Gedankenkosmos. Vieles erscheint bekannt und gehorcht doch ureigenen Form- und Farbvorstellungen. So erkennen wir immer wieder Parallelen und sind doch überrascht von der Vielseitigkeit und Selbständigkeit der verschiedenen Werkphasen. Seine Arbeiten wurden im In- und Ausland gezeigt und gesammelt und haben nationale wie internationale Preise gewonnen. Zurückgekommen ist er immer wieder nach Aachen, wo er am 24. März 1986 verstarb und kürzlich seinen 100sten Geburtstag gefeiert hätte.